2012
---- dOCUMENTA 13 ------------




Nun, zur Documenta... (ganz subjektiv und nach meinem aktuellen Stand des Gesehenen)

Also, im Großen und Ganzen gefällt sie mir eigentlich recht gut....

...und gleich folgt die Frage, ob das "gut" ist, wenn einem eine Documenta gefällt..... schmeißt sie sich dann gar zu sehr an den Publikumsgeschmack ran...anstatt einsam avantgardistische Pfade zu beschreiten….? (höhö).

Naja, ich glaube, diese Gedanken hat man in postpostmodernen Zeiten nicht mehr ganz so stark... da ist das "Gefallen" und "Verstehen" wohl besser angesehen als in früheren elitären Zirkeln.... oder? Und eventuell hat auch das allgegenwärtige „Sichverkaufenmüssen“ seine Spuren hinterlassen (wie man z.b. auch an studentischen „Rundgängen“ seit einigen Jahren feststellen kann).
Und, keine Angst, es gibt immer noch genug zur Verwirrung und Nichtssagung.... Razz



Aber.. insgesamt - finde ich - geht diese Documenta...

...einerseits im organisatorischen Sinne viel mehr auf die Besucher ein als das früher der Fall gewesen ist (zumindest seit 1992, seit ich sie regelmäßig besuche)

...und andererseits ist die ausgestellte Kunst durchaus "kommunikativer" als das in den Zeiten abstraktexpressionistischer Vorherrschaft gewesen ist...


Zu Punkt 1:
Die Organisation der Documenta ist recht gut. Es gibt durchdachtes Infomaterial kostenlos. Es gibt eine spezielle Documenta-Buslinie, die gut zu erkennen ist.
Auch der Austellungsführer ist dieses Mal sehr praktisch und informativ. Der Preis von 24€ ist leider nicht wenig. Aber teuer ist der Besuch sowieso (siehe Kritik).
Außerdem liegt das Buch gut in der Hand und das Blättern macht Freude - im Gegensatz zu früher, wo diese Bücher oft ein unpraktisch schmales Format hatten und gegen die Papierlaufrichtung geheftet waren, dass man sie kaum aufblättern konnte und sie irgendwann aus dem Leim gingen).
Es wird auch recht viel Öffentlichkeitsarbeit gemacht in der Stadt. Am Bahnhof Willhelmshöhe weist ein roter Teppich den Weg zum Bahnsteig ins Zentrum und es wehen Documenta-Fähnchen mit Hinweisen...





zu Punkt 2.:
In der Tat ist die Kunst dieses Mal sinnlicher/gegenständlicher als in früheren Zeiten. Das liegt vielleicht auch daran, dass der Anteil von "Dritt- und Schwellenland"-Künstlern noch einmal gesteigert scheint. Der "Westen" mit seiner abstrakten klassischen Moderne ist vergleichsweise wenig vertreten. Aber auch das vertretene Westliche gibt sich verspielter - und politischer als früher.
Überhaupt, das Politische spielt eine recht große Rolle. Da ist Aktuelles aus dem Arabischen Raum zu sehen, Dinge aus dem Spanischen Bürgerkrieg, ein nachgebautes Occupycamp und Nazistisches aus deutscher Vergangenheit [Hinweis an den Verfassungsschutz: Es gibt mehrere unzensierte Hakenkreuze in der Ausstellung zu sehen.].



Bowie war leider nicht vertreten – zumindest bei dem, was ich bisher gesehen habe.
Weder in dem monströsen „Life“-Kunstwerk von Geoffrey Farmer in der „Neuen Galerie“ noch bei den „100 Songs for 100 days“ in der Musicbox.
Doch wenigstens waren in dem einen die Beatles und in dem anderen John Lennon dabei.



Idee
Was mir gefällt an der Documenta, das ist der „Fragende Impetus“, wie ich es mal nenne. Die Suche nach Menschlichkeit in einer aus den Fugen geratenen Welt, die Suche nach neuen Wegen und Ideen, der Überdruß an dem, was „ist“. Der Schrei nach Veränderung gellt regelrecht durch die Ausstellung – gepaart mit einer Verzagtheit ob des Status Quo.
Es wird vieles angeprangert, hie und da Lösungen gesucht (Ökologie, Esoterik, Geldsystem…) oder über das Überleben nach Katastrophen wie Fukushima nachgedacht.

Auch für den Konspirologen gibt es ein schönes Kunstwerk: Mark Lombardis Konspirations-Diagramm in voller Größe.
(Schade, dass er schon 2000 gestorben ist!)

Kunstnabelschau („ich und mein Ego“) gibt’s zum Glück nicht (mehr) soviel – so wie auch typische Angeberkunst („mein Arsch in Gold gegossen“) und Besserwisserei weitgehend fehlen. Im Gegenteil, es herrscht eine angenehme, ehrliche Ratlosigkeit mit Besinnung auf das Menschliche....


Diese Suche nach „Anderem“ zeigt sich meiner Ansicht nach auch in dem zunächst etwas seltsam anmutenden Konzept im Documenta-Hauptgebäude, dem „Fridericianum“.
Dort, wo in früheren Jahren immer besonders prominent im Foyer als besonders wichtig erachtete Kunst den Besucher unausweichlich beim Betreten des Hauses anlachte, finden wir dieses Mal gähnende Leere. Auch die beiden riesigen Räume links und rechts des Eingangs sind fast ganz leer.


Gähnend? Nein, das Komische ist, dass diese Leere gut tut und die Menschen regelrecht zu entspannen scheint. Endlich einmal „Nichts“ für die überforderten Sinne.
Zudem weht ein Wind in den ebenfalls leeren hinteren kleineren Räumen, von dem ich nicht weiß ob er vorgesehen war oder nur durch das Wetter dieses Tages kam. Jedenfalls führten die Lufturbulenzen dazu, dass sich ein recht großer Staubknäuel auf dem Boden sammelte, der nun im Wind lustig herumgeweht wurde und die Besucher erheiterte…



Ich weiß zwar nicht, inwiefern diese Leere Absicht ist oder nicht (es ist dort der Brief eines Künstlers ausgestellt, der darauf erklärt, warum er nicht teilnimmt) – aber die Wirkung ist beeindruckend!

Es sind aber nicht alle Räume leer. Die oberen Stockwerke sind gut gefüllt (wobei mir noch der 2. Stock fehlt). Aber auch im Erdgeschoß ist ein zentraler Raum, die sogenannte „Rotunde“, recht vollgestopft.
Das ist etwas doof, weil der Raum klein ist und die Menschenmassen nur portioniert hineingelassen werden, es also zu Schlangenbildung kommen kann. Der Trick ist hier, kurz vor Schluss hinzu gehen, dann ist da meistens keine Schlange mehr – aber auch nicht zuuu sehr kurz vor Schluss, weil die Wachtussen einen sonst nicht mehr reinlassen.


(Blick von Oben)


Was ist da nun zu sehen? Tja, das war mir, zugegeben, etwas esoterisch, wenn ich auch eine Ahnung habe, was beabsichtigt ist… und der Grundgedanke, wenn es denn der ist, den ich vermute, mir durchaus zusagt.
Ob ich allerdings dieselben Kunstwerke/Artefakte dort exponiert hätte, weiß ich nicht. Die Auswahl schien mir ein wenig willkürlich. Manches sagt mir auch gar nichts und ich weiß nicht, warum das dort ist.
Auch hier finden wir wieder Nazistisches – etwa die Fotos mit Hitlers Badewanne… Aber auch aus anderen Kriegen gibt es Dinge: z.b. der nach Bombardierung zussammengeschmolzene Rest von Exponaten aus dem Irakischen Museum. Oder das Foto des vietnamesischen Bombentrichters, der heute ein Teich ist.

Was will uns die „Rotunde“ sagen? Von der Austellungsleiterin Carolyn Christov-Bakargiev (kurz „CCB“ oder despektierlich „Zizibäh“) „Brain“ genannt? Angeblich sollen hier diverse „Fäden“ zusammenlaufen. Und tatsächlich findet man hier einige Namen/Themen wieder, die einem schon begegnet sind an anderen Orten. Insofern scheint es mir durchaus nicht schlecht, die Rotunde am Ende des Ausstellungsbesuches aufzusuchen.

Worum geht es da? Also, ich habe mir da gedacht, es geht um „Gegenstände“, um das was einen Gegenstand zu „Kunst“ macht – oder ihn auf irgendeine andere Weise mit einer über seine reine Gegenständlickeit hinausweisenden Bedeutung auflädt (z.b. Hitlers Badewanne – aber auch archaische Steinfiguren oder die Originalteile, die ein Maler auf seinen Stilleben verewigt hat…). Aber Gegenstände sind auch vergänglich. Und die ihnen unter Umständen anhaftende Aura ist es auch.
Die leeren Räume drumherum sind ein Gegengewicht, symbolisieren „Nichtkunst“ oder vielleicht auch die durch Krieg u.ä. geleerten Museen - und alles zusammen stellt diese Frage nach der „Kunstwerdung“ von Dingen – aber auch von der Abhängigkeit des Kunstbegriffes von Zeit und Zeitläufte. Ist das, was wir heute toll finden, der Müll von morgen?
Naja…. Also, das waren meine Gedanken dazu – ohne allzu viel bisher gelesen zu haben.


Soviel zur diesmaligen „Idee“…. Wenn’s denn so gemeint ist… Rolling Eyes


Medial ist diese Documenta recht vielfältig. Es gibt sogar richtige gemalte Bilder zu sehen, Aber auch Objekte aller Art, Installationen, Teppiche, Schrotthaufen, Videos in allen Variationen (von grandios bis blöd). Manches ist recht schräg (etwa die gruseligen Kreuzzugsvideos mit Marionetten –Augburger Puppenkiste goes Splatter…), aber auch multimediale Installationen, wozu ich auch das Video von Kentridge zähle und die interessante Installation von Nalini Malani ganz hinten in der Documentahalle. Die Filmchen von Thomas Bayrle hingegen wirken (auf mich) wie Animationsfingerübungen… (sorry). Seine Motoren hingegen gefielen uns sehr gut.






Was mir ebenfalls sehr gefällt an der diesjährigen Documenta, ist, dass die Stadt Kassel sehr einbezogen ist. Das war früher nicht immer der Fall. Der gemeine Kasseläner stand oft recht fassungslos vor dem als elitär empfundenen Documentaraumschiff, wenn es mal wieder gelandet war.
Dieses Mal ist das anders. Die Documenta nimmt stark Bezug auf Kassel und seine Stadtgeschichte. Da werden ungewöhnliche Austellungsorte in der Stadt einbezogen, wo auch der Normalbürger der Kunst mehr oder weniger freiwillig begegnen kann und es wird auch viel Bezug auf die Historie der Stadt genommen - auch unter dem eher unschönen Aspekt der Rüstungsindustrie, die dort immer noch ansässig ist.


Interessantes außerhalb der Hauptstandorte:

Das Hugenottenhaus
Ein recht renovierungsbedürftiges Gebäude, erbaut im 19. Jhd., zuletzt wohl in den 70ern als Hotel genutzt. Das Haus wurde nun von Künstlern in Beschlag genommen, die sich dort kreativ ausgetobt haben und zum Teil dort noch immer wohnen. Es gibt auch Musiksessions im Hause, wo sich theoretisch jede Band, die will, anmelden kann…
Sehr interessante Atmosphäre, ein wenig „Tacheles“ in klein und Fachwerk in seinem ruinösen Charme – durchaus sehenswert!



Weinbergbunker
Ebenfalls einbezogen in die Ausstellung wurde der Bunker am Weinberg. Da musste ich natürlich hin mit meiner Vorliebe für „Unterwelten“. Die dortigen Exponate, das gesteh ich, haben mich nicht ganz so faszininert, aber in den Bunker hab ich schon immer mal reingewollt! (allerdings kann man den Bunker wohl angeblich auch ohne Documenta besichtigen). Und leider hatten wir auch kaum Zeit, weil wir kurz vor 20:00 gerade soo noch eingelassen wurden… (also, vielleicht waren die Exponate doch gut. Wir hatten nur keine Zeit).



Hotel Hessenland
Das dortige Exponat (ein Film) fanden wir ziemlich doof, aber das Hotel Hessenland ist sehenswert: Sehr schön erhaltene 50er Jahre Architektur! Der Saal, in dem der Film läuft, ist offenbar gerade in Renovierung und etwas bröselig. Ich hoffe, er wird stilecht renoviert.



Kaskade Kino
Da war ich noch nicht. Aber es ist schön, dass das alte Kaskade-Kino einbezogen ist!


Orangerie
Wurde die Orangerie früher schon einbezogen? Weiß ich jetzt nicht, aber diesmal lohnt es sich. Es gibt einen Film im Planetarium (den ich noch nicht gesehen habe) und einen interessanten Computerraum… Und Gemälde von Konrad Zuse.
Aber auch die Standart-Orangerie-Exponate sind nicht zu verachten.



Die Aue…
Der Park um die Orangerie ist voller kleiner Bretterbuden, in denen ganz viel verschiedene Kunst zu sehen ist… das lädt ein zum Flanieren und Schauen… Und es gibt sogar Documenta-Fressbuden unterwegs. Und Documenta-Liegestühle (die es aber auch am Hauptbahnhof gibt).



Der Offene Kanal
Am Hauptbahnhof ist der Offene Kanal Kassel (wo ich früher mal tätig war… übrigens auch ein hochinteressantes Gebäude), und da gibt es unten im Foyer ein feines, interaktives Kunstwerk:
Man kann sich hier Ipods ausleihen und dann läuft da ein Film über einen Rundgang an eben diesem Bahnhof, mit einem Kommentar (auf Englisch)… Man soll nun den Rundgang mit dem Ipod mitlaufen… das klingt jetzt komisch, aber es gibt einen sehr interessanten Effekt – und lässt nachdenken über den Lauf der Zeit…
Ich fand das sehr beeindruckend.
(Achtung! Man braucht einen Ausweis als Pfand für die Ipod-Ausleihe!).
Obwohl’s die Ipods direkt im Foyer gibt, trotzdem auch mal hochgehen in den Offenen Kanal und die Architektur bestaunen. In den Film, der oben an der Bar läuft, haben wir allerdings nur kurz reingesehen. Er dauert nämlich 2400 Stunden, also die ganze Documenta lang…




Brüder Grimm Museum
Das Museum ist direkt neben der „Neuen Galerie“ gelegen – kann man deshalb gut mitnehmen. Das dortige Exponat, eine Ritterobsession in mehreren Akten, hat uns allerdings nicht so ganz überzeugt… (auch wenn das Schlagzeugvideo ganz lustich ist…. )…




Unbedingt ansehen:

- Die Video-Installation von William Kentridge im Hauptbahnhof-Nordflügel! Ganz großartig!
(leider gab’s bei meinem zweiten Besuch Schlangenbildung)



…und wenn man schon mal im Nordflügel ist:

- wer sich für Deutsches anhand der Gedenkstätte Breitenau bis zu Ulrike Meinhofs „Bambule“ interessiert, kann sich den Film von Clemens von Wedemeyer ansehen.


- Auch die geschnitzten Nähmaschinen zwei Räume weiter vorne sind sehenswert!


- Die angeblich sich bewegenden Jalousien haben nur ein einziges Mal gezuckt, als ich vorbeilief.

- Der dicke Erdhaufen noch einen Raum weiter vorne wirkt auch gut. Bis man rausfindet, dass er innen drin hohl ist (*spoil*) und als Kulisse für eine seltsame „Gameshow“ dient, die mit allerlei Fremdworten erklärt wird, was wir überhaupt nicht kapiert haben (zunge)




- Besonders schön und gut geeignet zum Pausieren ist am Ende des Nordflügels die Bar mit Blick auf das große Schrotthaufenkunstwerk, in das angeblich auch Rüstungsgüter verwurstet wurden….





- Und wer zuviel Zeit hat, geht im Südflügel noch schnell ins Spohrmuseum und schaut sich das Spohr-Video von Thomas Stellmach und Maja Oschmann an – documentaunabhängig, aber freier Eintritt (wir haben zumindest nix bezahlt).
http://youtu.be/N1R2NgRXONU



Im Südflügel hat’s auch gute Klos – sonst sind mir hier keine der Documenta-Exponate im Gedächtnis geblieben. – aber wir sind auch recht schnell durchgelatscht.



- Auch im Bahnhof (vorne, Offener Kanal): Die Sache mit den Ipods!



Ebenfalls unbedingt anzusehen ist das schon erwähnte „Life“-Kunstwerk in der „Neuen Galerie“.

Hier hat der Künstler Life-Magazine zerschnitten und die Bilder zusammengeleimt… und damit ein seltsames Panoptikum der US-geprägten Populärkultur von. 1940 bis in die 80er geschaffen – und damit aber auch jene Kultur der Limitiertheit (zeitlich und ideell) überführt….
Allerdings zählt auch dieses Objekt zur Kategorie „Manisches“, wo man sich über die Hartnäckigkeit und Obsession des Künstlers wundert…
(Vorsicht, Schlangenbildung!)



Noch ein paar Pluspunkte:
- Äußere Schlichtheit im Design, nicht zu penetrantes Merchandise, kein Logofaschismus. Das „Corporate Design“ der „dOKUMENTA“ kommt recht dezent und unprätentiös aber nicht weniger auffällig daher.
- Fotografieren ohne Blitz ist grundsätzlich erlaubt (so kann man auch in den externen Museen, wo sonst das Fotografieren verboten ist, schamlos draufhalten).
- Einbeziehung des Betrachters auch durch recht erklärfreudige Kunswerkbeschriftung. Das gab’s nicht immer!



Kritik:


- Teuer.
Die Tageskarte kostet im Normalpreis 20€ (!), die Zweitageskarte 35€ (achtung, man muss die beiden Tage nicht direkt hintereinander nutzen). Abendkarte ab 17:00 kosten 10€ (was noch nett ist). Dauerkarte kostet 100€. Würde ich in Kassel wohnen, würde ich wohl zu letzterem greifen. Denn um wenigstens das Wesentliche zu sehen, braucht man eigentlich mindestens 3-4 Tage. Ich war jetzt drei Tage dort und ab immer noch nicht alles gesehen. Werde eventuell im August noch mal hingehen. Dann werde ich auch kurz unterhalb von 100€ ausgegeben haben. Und da sind noch all die Videos dabei, die man theoretisch ansehen könnte. So wären noch andere Abstufungen mit mehr Rabatt denkbar – z.b. eine Wochenkarte für 50 €, oder so?
Klar, man könnte jetzt einwenden, dass diese Preise im Vergleich mit anderen Ausstellungen (Ich sag nur Berliner Gropiusbau) und Konzerten nicht zu teuer sind…
Aber, ich finde, dass das alles sowieso zu teuer geworden ist. Und 20€ ist einfach zuviel für eine 1-Tageskarte, zumal man da kaum mehr als 1-2 Häuser schaffen kann mit der Schlangensteherei (und man will ja nicht im Laufschritt durchrennen). Dazu die Entfernungen, die man zurücklegen muss, wenn man auch die entlegeneren Dinge besuchen will. (1992 kostete die Dauerkarte für Studenten 60 DM – jetzt 70€!).

- Könnte länger geöffnet sein. Bis 20:00 ist zwar schon mehr als bei normalen Museen, aber Sommers könnte man sich auch gut eine besucherfreundliche Öffnungszeit bis 22:00 vorstellen… (allerdings werden in der Innenstadt nach 20:00 sowieso weitgehend die Bürgersteige hochgeklappt).

- zuviel Naziges, wenn’s um Deutschland geht…
Ich habe gar nichts gegen Naziaufarbeitung. Hab ich selbst viel gemacht. Allerdings, ich gestehe, ein wenig befremdet hat es uns schon, dass Deutsches vorwiegend in Form von Nazigeschichte vorkam. Manches war auch sehr gut (das mit den Ipods z.b.).
Liegt vielleicht auch an der speziellen Geschichte Kassels als Rüstungsschmiede? Oder and der Biografie von CCB, bzw. ihrer Vorfahren? Oder passte das Nazithema einfach zu gut in den durchaus politischen Bogen, der in dieser Documenta gespannt wird?
Da dachte ich, ein solcher Themenschwerpunkt hätte mich vielleicht in den 70ern gar nicht verwundert – aber heute kommt es mir etwas reduziert vor.



…und, was mich wunderte… ?
war es nicht früher so, dass die Documenta nur „lebende Künstler“ ausgestellt hat? Also sehr aktuelles, zeitgenössisches?
Dieses Mal ist das nicht so. Es sind nicht nur viele bereits verstorbene Künstler vertreten, auch manche Kunst ist schon mehrere Jahrzehnte alt (die archaischen Figuren in der Rotunde sind Sonderfall, die sind 2500 Jahre alt).



Noch ein paar Bilder:



seltsamer Stuhl (Leihgabe von Iman?)


Soundinstallation in der Aue



Das Occupycamp vor dem Fridericianum





Und was ist das ? Klonversuche?


Am Bahnhof(skiosk):


So wie ich auch dieses Objekt interessant fand…


während das Jackalope beinahe diese Zeitung gekauft hätte


und wo ist das?


Das hier scheint allerdings keine Kunst zu sein, obwohl dieser Schubkarren auch schon den Weg in ein Hochglanzkunstmagazin gefunden hat…

Bei meinem zweiten Besuch war er weg (geklaut…? Razz)

Und das hier braucht doch wirklich niemand, oder?




Soweit die Documenta-News des Instituts Z!
Ein weiterer Besuch ist noch grob geplant, um den Rest anzusehen.
http://d13.documenta.de/de/
(wird eventuell noch ergänzt und editiert nächste woche…. Keine Zeit jetzt!)






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Hier noch ein Nachtrag zur Documenta, wo ich am vergangenen Wochenend zum dritten Mal gewesen.... (Embarassed)


Hab nun noch ein weiteres Lieblingskunstwerk:

Llyn Foulkes playing "The Machine"



Am Anfang der Documenta spielte Herr F. live.... ein Video (ca. 43 Min) läuft nun nonstop oben im 2. Stock des Fridericianums....!

Youtubies
http://youtu.be/q5HB8crzbeI
http://youtu.be/GIfWB_BujMI
http://youtu.be/RW3PIVpF_lI
http://youtu.be/7LiJQUk5FkU


Außerdem raten wir davon ab, an den verbliebenen Wochenenden zur Documenta zu gehen - es wird leider von Mal zu Mal voller, wenn ich dort war. William Kentridges Videoinstallation hatte 1,5 - 2 Stunden Wartezeit, als ich da nocheinmal reinwollte.... worauf ich dann doch verzichtete...(*seufz*).
Wer es irgendwie einrichten kann, also besser Werktags hingehen!


...stattdessen aber fand ich dann in der Treppenstrasse noch diese Galerie mit der Ausstellung "Klangkunst-ping" mit interessanten Sound-Installationen.... documentaunabhängig, kostenlos und mit Spielwert!


http://klangkunst-ping.de/


Und im Ottoneum gibt's einen Laterna Magica-Projektor mit echter Petroleumlampe drin und einem Petroleumfass daneben, woraus dieselbe gespeist wird... schönes Objekt!
Nur kommt mir die Konstruktion etwas wackelig vor... da müsste nur mal jemand im Finstern mit dem Fuß in dem hölzernen und wenig vertrauenerweckenden Gestell, in welchem das Petroleumfass ruht, hängen bleiben.... (Shocked)




Und das gab's hier auch:

Die "Heroes of the lake"



...wo es um die Rettung/sinnvolle Nutzung eines ausgetrockneten und versauten Sees in Mexiko geht...

...wobei ich Banause natürlich dieses unappetitliche Detail fotografisch festhalten musste...





Außerdem kann man im Ottoneum an der offiziellen Ottoneumskasse alte aus dem Bestand ausgeschiedene Bücher erwerben
- möglichweise auch noch nach Ende der Documenta.
(Kosmos Naturfuhrer mit so interessanten Titeln wie "Forscherfahrt im Feindesland").


Und dann gibt's noch unweit des Fridericianums im Ausstellungsraum Untere Karlsstr. 14 einen
weiteren Austellungsraum mit dem Project "Scratching on Things" über arabische Kunst...








Und in der Aue...im Wald.... da gibt es eine interessante Soundinstallation "Forest for a thousand years" unter Bäumen.... die man schon von weitem hören kann...
Dauert ca. 25 min und lohnt sich. (Nr. 37 auf der Karte)
(und kann man auch ohne Ticket genießen!)


(wer findet den Lautsprecher?)

....störend waren nur die an diesem Tag besonders penetranten Hubschrauber, die pausenlos über den Park ratterten...
und die wir zunächst für Bestandteil der Installation hielten...



Was etwas generell nervt, ist die Rucksackphobie der Ausstellung. Da wurde eine Frau mit einer entfernt an einen Rucksack erinnernden Mini-Handtasche zur Garderobe geschickt zwecks Abgabe derselben (es IST ja ein Rucksack), während andere Leute mit riiesigen voluminösen Umhängetaschen problemlos ein und ausmarschierten. Ich entging der Garderobe, da ich meinen kleinen Sea-to-Summit-Faltrucksack im Windschatten der Handtaschenfrau geschickt als "Beutel" getarnt einschmuggeln konnte.... (das funktioniert aber nicht immer, zumal nicht, wenn der Beutel zu voll wird und doch wieder Rucksackform annimmt... intrigant )


Zu Loben hingegen sind die Documentabesucher ganz allgemein, die trotz Überfüllung sich gesittet und freundlich und humorvoll durch die Gebäude bewegten, wenig nach Parfum stanken und auch sonst wenig Anlass zu Generve gaben.

Vor allem aber sind noch einmal jene netten jungen Leute smile lobend zu erwähnen, welche mir mein Handy, welches ich beim Fotografieren von Schrödingers Katze (wo sonst!) verloren hatte, durch einen Anruf auf dem Handy meiner Austellungsbegleitung zurückbrachten (Nummer auf Display gespeichert, weil wir selbst den Anruf probierten)
- Welch eine Erleichterung! (Shocked)





PS---


Orangerie in Sonne vor Wolken



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Dr. Z. 2015
first published on Davidbowie.de, 2012
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